Ein Berufsleben lang im selben Betrieb – was heute im Zeitalter von zunehmender beruflicher Mobilität und Flexibilität immer mehr zur Seltenheit wird, war bis vor kurzem noch gar nicht so ungewöhnlich. Der mittlerweile 64 Jahre alte gebürtige Stubaitaler Hans Müller blickt für uns noch einmal auf seine Zeit als Mitarbeiter eines Holzexportunternehmens in Innsbruck zurück, in welchem er von der Lehre bis zu seiner Pensionierung am 1.5.2016 fast 47 Jahre im Bereich Logistik tätig war. Im Rahmen einer Fachmesse in Verona, auf welche Hans das Unternehmen begleitete, hatte ich die Möglichkeit mich mit ihm zu unterhalten.

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Im Gespräch mit Hans Müller auf der Messe „Progetto Fuoco“ in Verona im Februar 2018

Wir schauen zunächst in das Jahr 1969. Hans beginnt zu erzählen: „Mein Vater besaß ein Sägewerk im Stubaital und Hr. Jenewein sen. (Anm. der damalige Besitzer der Firma Holzexport Schuster aus Innsbruck) hat bei uns Holz eingekauft. Irgendwann ist er dann zu ihm nach Innsbruck ,kassieren‘ gegangen, weil Überweisungen hat es ja dazumal noch keine gegeben. Im Zuge dessen hat er dort um eine Lehrstelle im Büro für mich gefragt. Als mein Vater wieder nach Hause kam und mir davon erzählte, war ich zunächst ganz verdutzt, denn ich wollte eigentlich ganz etwas anderes werden, irgendetwas mit der Natur. Aber dazumal durfte man ja nicht widerreden, man wurde ja als Jugendlicher gar nicht gefragt. Und nach Innsbruck zu fahren bedeutete für mich obendrein so etwas wie eine Weltreise. Als Bursch aus dem hintersten Stubaital kam man vielleicht zweimal im Jahr dorthin, aber nicht öfters. Und ich dachte mir zudem, da soll ich in so ein Büro hinein, zu so vornehmen Leuten. Ich hatte schon etwas Angst, denn ich kannte ja auch niemanden in Innsbruck.“

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Im Alter von 15 Jahren begann Hans schließlich am 1. August 1969 mit der Lehre zum Bürokaufmann. Zum Glück jedoch kam alles anders, als er zuvor befürchtet hatte. Die Stadt begann ihm zu gefallen. In Innsbruck war eben mehr los als in der Provinz. In der ersten Zeit wohnte Hans in einem Lehrlingsheim, denn jeden Tag nach Hause ins Stubaital zu fahren schien zu weit. Und auch die Arbeit im Familienunternehmen der Firma Schuster gefiel Hans schließlich, denn „besonders die Chefleute waren auch sehr nett“, wie er erzählt.

Über den Betrieb, der 1933 in Innsbruck gegründet wurde, findet Hans sehr persönliche Worte: „Ich fühlte mich immer so, als wenn ich zur Familie gehören würde, wie ein Familienmitglied. Der Seniorchef war ein einmaliger Mensch und der Sebi (Anm. M.S. Jenewein, der aktuelle Eigentümer) auch. Ich kann mich zurückerinnern, dass ich –  als Sebi noch kleiner war – mit ihm während der Arbeit wenn einmal nichts zu tun war ins Kino gegangen bin in Innsbruck. Sebi ging schon zur Schule und ich musste auf ihn aufpassen. Ich weiß sogar noch, welchen Film wir uns damals angeschaut haben: Quax der Bruchpilot mit Heinz Rühmann. Mir war das natürlich recht, dass ich anstatt zu arbeiten mit ihm ins Kino gehen konnte.“

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von rechts: M.S. Jenewein, Hans Müller, Hr. Jenewein sen.

Das Kinogehen während der Arbeitszeit war jedoch eher eine Ausnahme, denn natürlich gab es mehr als genug zu tun. „Ich habe schon einiges mitgemacht. Ich bin oft auch feiertags arbeiten gegangen, wenn es notwendig war. Ich habe immer versucht mich zu kümmern, sodass alles läuft. Wenn bei uns in Österreich ein Feiertag war, aber in Italien und Deutschland nicht, bin ich ,reingegangen‘. Weil wenn die Frächter in Deutschland unsere Ware geladen haben, brauchten sie ja ihre Papiere. Auf die Uhr habe ich dabei nie geschaut. Ich habe meine Arbeit gemacht und erst wenn sie fertig war, bin ich nach Hause gegangen. Und mein Engagement wurde vom Unternehmen immer entsprechend gewürdigt und entlohnt bzw. konnte ich Zeitausgleich in Anspruch nehmen.“

Und auch an die sich im Laufe der Zeit verändernden Arbeitsbedingungen und technischen Neuerungen kann sich Hans noch ziemlich gut erinnern. „Als ich mit 15 Jahren als Lehrling angefangen habe, gab es noch diese uralten schwarzen mechanischen Schreibmaschinen. Irgendwann wurden diese dann durch elektrische Schreibmaschinen ersetzt. Und bevor es das Fax gab, gab es auch eine Zeit lang sogenannte Fernschreiber, welche sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Ja, und dann kamen die Computer… ich dachte anfangs, das werde ich nie erlernen. Aber schlussendlich schaffte ich es.“

Auf die Frage, wie er sich selbst in drei Worten beschreiben würde, gab Hans zur Antwort: „Ich bin zwar eher ruhig, aber sehr verlässlich und loyal. Die Firma lag mir immer am Herzen und tut es auch heute noch.“ Das ist vermutlich einer der Gründe, weshalb Hans das Unternehmen auch im Ruhestand gerne weiterhin unterstützt – wie beispielsweise auf der Progetto Fuoco in Verona, der europaweit größten Fachmesse für Anlagen und Geräte für die Wärme- und Energieproduktion mit Holzbrennstoffen.

© Petra Plimon

 

Information: Werbung, unbeauftragt!

Dieser Text handelt von meinen persönlichen Erlebnissen und Empfehlungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde!