Der Sommer ist dabei sich langsam zu verabschieden. Die schwarzen Holunderbeeren sind bereits reif, ich habe sie kürzlich geerntet und zu Sirup und Likör weiterverarbeitet. Ein guter Zeitpunkt, um über einen Strauch, der in unseren Breitengraden doch recht häufig vorkommt, etwas zu reflektieren.

Völlig unscheinbar im Winter: der Holunder.

Eine kurze Rückschau in den Frühling

Es war an einem Nachmittag Ende Mai,  Vollmond – ich war gerade dabei den diesjährigen Holunderblütensirup abzufüllen. Ich muss ja nicht weit gehen, nur ein paar Schritte in meinen Kräutergarten hinter dem Haus. Dort war  der alte Holunderbusch gerade in voller Blütenpracht. Ich zupfte eine Dolde ab und sah mir die vielen kleinen Blüten genauer an. So schön weiß, so rein, so zart, so wohlduftend, irgendwie magisch – ein Symbol für Reinheit, Klarheit und Transformation. Der Holunder (lat. Sambucus nigra aus der Familie der Geißblattgewächse) begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit. Am und um den Bauernhof meiner Großeltern kam er in Unmengen wild vor und es wurde jedes Jahr Holunderblütensirup hergestellt und die Blüten für den Grippetee getrocknet.

Eine der vielen wohlduftenden Holunderblüten, wie ich sie diesen Frühling in meiner Umgebung vielfach vorgefunden habe,

Geschichte und Magisches

Doch was sagt die Geschichte bzw. der Volksmund? Das Wort Holunder leitet sich zunächst ab aus dem Althochdeutschen Holuntar (Holun = hohl, heilig, günstig, gnädig und tar = Baum, Strauch). Der Strauch nahm in unseren Breiten schon bei den Vorfahren eine bedeutsame Stellung ein. Bereits von den Kelten wurde er verehrt, der Holunder galt als „Baum des Lebens und des Todes“. Er symbolisierte die Unendlichkeit des Lebens (Tod und Wiedergeburt): Im Winter war der Baum „tot“ – im Frühjahr erwachte er zu neuen Leben. Wenn man ihn genauer beobachtet, so lässt sich diese Feststellung sehr gut nachvollziehen. Der Holunder wurde zudem als Räuchermittel verwendet. Eine weitere keltische Überlieferung besagt, dass man den Holunderstrauch ehren soll, denn wer ihn nicht aus einem triftigen Grund umhaut bzw. ihn nicht um Verzeihung bittet, wird krank und stirbt sogar.

Auch die Germanen huldigten dem Holunder. Nicht umsonst lässt sich die Namensähnlichkeit mit der Mutter- und Hausgöttin Holda (in Grimms Märchen Frau Holle) erkennen, deren Lieblingsstrauch angeblich der Holunder war. Man opferte ihr stets unter Holunderbuschen. Und auch die Erdgöttin Freya hat eine besondere Beziehung zum Holunder und soll in ihm wohnen. Ein Spruch aus dem Volksmund lautet: „Vor dem Holunder muss man den Hut ziehen, weil er dutzende Krankheiten zu heilen vermag.“ Das sagt mein Großvater auch heute noch. Will man dem Holunder aber Äste stutzen, so muss man ihn vorher um Erlaubnis fragen (ein Gebot, welches jedoch für alle Pflanzen und Sträucher gelten sollte).

Und überhaupt gilt der Holunder als Schutzbaum für Haus, Hof und Vieh. So steht er zum Glück auch hinter meinem Haus, welches er zu beschützen vermag. Solange ich hier bin, soll auch er hier sein – das wünsche ich mir. Angeblich tritt  der Holunder aber auch als Liebesorakel in Erscheinung, wenn er zur Zeit der Sommersonnenwende in voller Blüte steht.

Im Spätsommer ist der Holunder mit schwarzen Beeren bestückt.

Die Verbindung zwischen Leben und Tod

Für mich ist der Holunder die „Transformationspflanze“ schlechthin. Er verbindet Leben und Tod und alles was dazwischen liegt– im Frühling blüht er weiß, im Herbst trägt er dunkle Früchte, im Winter ist er komplett kahl. Der Lebensbaum ist gleichzeitig auch Totenbaum, er begleitet den Menschen auf seinem Lebensweg. Nicht umsonst wohl wurden Holunderzweige auf den Verstorbenen gelegt und auch der Sarg wurde früher mit einem Holunderstock gemessen.

Heilkräftiges

Ich verwende hauptsächlich seine Blüten, um daraus Sirup und Tee herzustellen. Aber auch seine dunklen Beeren, die er im Herbst trägt, können zu Säften, Marmeladen oder Likören verarbeitet werden, was ich aktuell erfolgreich erprobt habe. Diese verfügen über einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Heilkräftig ist grundsätzlich  jedoch der ganze Strauch inklusive seiner Blätter vor und nach der Blüte sowie auch Rinde und Wurzel. Aber wie gesagt, man soll ihn nicht einfach irgendwo ausgraben und mutwillig zerstören.

Der Holunder vermag unser Immunsystem zu stärken – sowohl vorbeugend als auch akut. Er wird gern für Tees bei grippalen Infekten eingesetzt, da er zudem schweißfördernd wirkt. Außerdem stärkt er Niere und Magen – sozusagen eine allseits verwendbare Heilpflanze. Grundsätzlich wirkt der Holunder blutreinigend, schweißtreibend, nieren- und blasenwirksam, hustenlindernd, stuhlfördernd.

3 Rezept-Klassiker: Blütenessig, Blütensirup & Beerensaft

Holunderblütenessig (Frühjahr):

Man nehme:

  • Apfelessig naturtrüb (am besten von einem Bauern des Vertrauens😊)
  • Holunderblüten

Die gesammelten Blüten gibt man in ein Einmachglas und übergießt diese mit Essig (Achtung – Blüten müssen unbedingt gut bedeckt sein). Das Gemenge bleibt etwa zwei Wochen stehen (täglich schütteln) und wird dann abgeseiht und in Flaschen abgefüllt. Fertig ist ein wohlschmeckender Kräuteressig, mit dem zum Beispiel Salate verfeinert werden können.

Der Klassiker: Holunderblütensirup im Frühling.

Holundenblütensirup (Frühjahr):

Man nehme:

  • etwa 30 Stk. Holunderblüten (können auch mehr sein, ich habe dieses Rezept schon mit 50 Stk. probiert)
  • 1,5 kg Sirupzucker
  • 4 l Wasser
  • 3 Zitronen, 2 Orangen (in Scheiben geschnitten)
  • Zitronensäure

Die meisten Rezepte erscheinen mir persönlich als eher zu süß, daher habe ich die angegebene Zuckermenge stark reduziert bzw. ersetze diese im besten Fall sogar durch Birkenzucker. Nachdem ich alle Zutaten entweder in einem Kübel bzw. einem anderen großen Gefäß vermengt habe, lasse ich diese mit einem Tuch bedeckt für mindestens 2 Tage (bis zu max. 5 Tage) an einem kühlen Ort (idealerweise im Keller) stehen. Danach wird der Inhalt von der Flüssigkeit separiert, aufgekocht und in saubere Glasflaschen (bis ganz zum oberen Rand, damit es gut abdichtet) befüllt. Ich rate, den Saft in den nächsten Wochen und Monaten zu konsumieren, obwohl er natürlich im besten Fall ein ganzes Jahr genießbar sein sollte.

Verwendet werden kann dieser Sirup als erfrischendes Getränk, verdünnt mit Wasser oder Soda. Ich bereite gerne einen Literkrug voll zu und gebe noch ein paar Blätter Minze, Melisse oder Indianernessel hinein. So bekommt er einen besonders intensiven Geschmack. Auch der in Österreich so beliebte „Weiße Spritzer“ (in Deutschland „Schorle“ genannt à Weißwein mit Soda) kann mit einem Schuss Holundersirup und ein paar Minzblättern aufgepeppt werden.

Im Spätsommer kann aus den Beeren ua. Saft hergestellt werden.

Holunderbeerensaft (Spätsommer/ Herbst):

Man nehme:

  • 1 Einkaufs-Korb voller reifer Holunderbeeren
  • 0,5 kg Zucker

Die reifen Holunderbeeren werden nach der Ernte von den Stängeln so gut es geht befreit. Anschließend gibt man sie gemeinsam mit dem Zucker in den Dampfentsafter. Durch das Aufsteigen des Wasserdampfes setzt sich der wertvolle Beerensaft frei, welcher nährstoffreich und abwehrstärkend wirken soll. Er wird heiß in Glasflaschen abgefüllt (unbedingt bis zum Flaschenrand).

Fazit

Der Holunder erweist als ein robuster und vielseitig einsetzbarer Beschützer für uns Menschen: nicht nur für unser Haus sondern auch für unser körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden. Er kann uns ein wertvoller Begleiter im Leben als auch im Tod sein, denn er beschützt uns, wenn wir ihm gnädig sind und ihn mit Respekt behandeln, ihn achten und seinen Wert schätzen.

In diesem Sinne alles Liebe,

Petra aka Yavida!

 

 

Quellen ua Wolf Dieter Storl, Siegrid Hirsch

 

Information: Werbung, unbeauftragt!

Dieser Text handelt von meinen persönlichen Erlebnissen und Empfehlungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde!