Bereits 2015 führte unsere Reise durch einige Länder der Balkanhalbinsel. Tief fasziniert von der atemberaubenden Landschaft, der einzigartigen Kultur und der Freundlichkeit der Menschen spürten wir schon damals, dass es hoffentlich nicht das letzte Mal sein sollte. Diesen September bot sich neben Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien auch die Gelegenheit Nord-Mazedonien und den Kosovo zu besuchen, (noch) zwei wahre Geheimtipps!

Pläne sind manchmal dazu da, um geändert zu werden.

De facto war die Reiseroute für 2018 im Jahr davor nämlich bereits geplant gewesen, und zwar hätte es mit dem Motorrad in Richtung Schweiz und Frankreich gehen sollen , um endlich die berühmten Bergpässe zu überqueren. Die Lust nach „richtigem“ Abenteuer packte Karl und mich dann doch irgendwie wieder und so wurde umdisponiert. Maßgeblich „Schuld“ an dieser Planänderung war eigentlich ein Vortrag von Joe Pichler über eine spektakuläre Motorradreise durch Mittelamerika, welche uns sehr inspirierte. „Wir müssen auch sowas ‚richtig Cooles‘ erleben,“ dachten wir uns. Gesagt, getan! Da jedoch zeitlich insgesamt nur zwei Wochen zur Verfügung standen und daher „nur“ Ziele innerhalb Europas in Betracht kommen würden, schien fast klar zu sein, dass die Wahl (wie bereits 2015) auf den Balkan fallen würde, nachdem wir 2017 das Baltikum und Polen bereist hatten. Eine Chronologie…

Warten auf die Fähre nach Igoumenitsa, Griechenland.

Ein Wiedersehen an der albanischen Riviera

Von Ancona (I) geht es zunächst mit der Fähre nach Igoumenitsa (GR), wenige Kilometer südlich der albanischen Grenze. Denn Albanien wollen wir diesmal etwas mehr Zeit widmen, was sich als wahrlich richtige Entscheidung erweist. Nach der Ankunft in Griechenland passieren wir alsbald Butrint und Saranda (beides in AL), sodass wir abends schließlich Himare erreichen. Dort werden wir bereits von unserem Freund Robert, den wir 2015 kennengelernt hatten, erwartet.

 

Robert betreibt ein idyllisches Hotel und Restaurant mit lokalen Spezialitäten direkt an der albanischen Riviera, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen. Natürlich darf ein Ausflug zum mittlerweile berühmten Gjipe Beach nicht fehlen. Der 2015 noch so einsame Strand ist zwar nicht mehr ganz so einsam, sprich es ist sogar für die Nachsaison  Ende September noch recht viel los. Er bleibt jedoch ein bezaubernder Ort, der es wert ist auch ein zweites Mal von uns besucht zu werden. Und so wissen wir wenigstens im Vorfeld, welche Straßenverhältnisse uns erwarten würden. Karl entscheidet nämlich diesmal die alte holprige Militärstraße mit dem Motorrad hinunter zu fahren… ein Wagnis, doch ich muss vertrauen. Was bleibt mir übrig 😉 Doch es zahlt sich aus: bei herrlichen Wetter verbringen wir einen genialen Strandtag.

Auf in die Stadt der Steine

Diesmal scheint es vor allem das Landesinnere der Balkanhalbinsel zu sein, das uns in seinen Bann zieht. Von Himare geht es weiter nach Syri i Kalter (auch genannt Blue Eye) zu der uralten blitzblauen Quelle, die von einem Parkplatz aus in nur wenigen Schritten leicht zu erreichen ist. Anschließend führt unser Weg weiter in die Stadt der Steine, Gjirokaster, welche auch zum Unesco Weltkulturerbe zählt.

Inmitten der Altstadt von Gjrokaster.

Die letzten Kilometer der Straße sind in einem schlechten Zustand. Wir fahren den gepflasterten Hügel hinauf zu unserer Unterkunft, die von unseren Gastgebern originalgetreu und wirklich ausgesprochen liebevoll gestaltet wurde. Natürlich besichtigen wir auch die riesige, gut erhaltene Festung und genießen den atemberaubenden Blick über die Stadt und das umliegende Drino-Tal.

Blick von der Festung hinab auf die Steindächer von Gjirokaster.

Auf den Spuren der Osmanen

Gjirokaster lassen wie hinter uns, es geht weiter in Richtung Norden. Bei Permet halten wir an der original-erhaltenen osmanischen Rundbogenbrücke, welche sich direkt am Fuße den alten Heil- und Thermalquellen befindet. Genau das sind für mich jene Momente, die eine Reise so besonders und einzigartig werden lassen. Die Außentemperaturen sind angenehm warm, ich springe hinein, traumhaft!

Die alte osmanische Rundbogenbrücke bei Permet am Fuße der Thermalquellen.

Die nordalbanische Stadt Korca soll unser nächstes Ziel sein. Für die Fahrt dorthin ist es ratsam genügend Zeit einzuplanen, denn die (einzige) Straße, welche mitten durch das Gebirge führt, ist größtenteils sehr holprig und kaputt. Die wunderschöne Landschaft  jedoch entschädigt uns dafür. In Korca halten wir für einen Kaffee, anschließend fahren wir weiter zum berühmten Ohridsee, der die Grenze zwischen Albanien und Montenegro markiert. Bei Leza in Lin, gerade noch auf der albanischen Seite des Sees, bleiben wir schließlich für die Nacht. Die Unterkunft wurde uns von einem Tiroler Paar empfohlen, das wir zuvor in Gjirokaster getroffen haben. Leza serviert uns Koranfisch zum Abendessen, eine spezielle Forellenart, die ausschließlich im Ohridsee vorkommt. Köstlich!

Die mystische Kirche von Mavrovo

Am nächsten Morgen verlassen wir Albanien, wir überqueren die Grenze nach Nord-Mazedonien und besichtigen unterwegs das berühmte Örtchen Ohrid. Hier könnte man wirklich etwas länger verweilen, wie an so vielen Plätzen auf dieser Reise. Doch es geht weiter, quer durch Nord-Mazedonien. Ich habe nämlich im Vorfeld herausgefunden, dass sich am Rande des Mavrovo-Stausees eine alte, teils versunkene Kirche befinden soll. Über einen kleinen Umweg gelangen wir schließlich dorthin und entdecken das wohl bekannteste Fotomotiv dieses kleinen Balkanlandes. Der Ort Mavrovo mit der alten Kirche von St. Nikola ist irgendwie ein mystischer Ort. Am Abend erreichen wir schließlich die Stadt Tetovo nahe der Grenze zum Kosovo. Wir entscheiden weiter zu fahren bis ins Shar Gebirge im Kosovo, denn dort soll es wunderschön sein. Eine gute Idee, wie sich nur kurze Zeit später herausstellen sollte.

Die alte Kirche von Mavrovo in Nord-Mazedonien.

Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst

Mit dem Kosovo verbinden einige Menschen leider immer noch nicht viel mehr als Krieg, Zerstörung und Elend. Zum Glück wir uns während unserem Aufenthalt selbst vom Gegenteil, wir können daher mit diesem Klischee getrost aufräumen. Obwohl man anmerken muss, dass wir sicher nur einige von wenigen nicht-kosovarischen Touristen waren, werden wir schon an der Grenze  freundlich (und sogar auf Deutsch) empfangen. Unsere erste Unterkunft im Shar Gebirge übertrifft beinahe alles bisher Dagewesene, dem kosovarischen Wein gelingt das aber mit Sicherheit.

Prizrens Bäume sind verziert mit bunten Kunstwerken.

Und besonders entzückt sind wir am nächsten Tag von Prizren. Die gut erhaltene, wunderschöne Altstadt rund um die Sinan-Pascha-Moschee verzaubert uns mit ihrem einzigartigen Charme. Nach einem Kaffee geht es schließlich weiter in die Gegend von Peja, wir wollen ja nicht die berühmte Rugovaschlucht auslassen! Es ist Sonntag und daher viel los, denn das Rugovagebirge ist ein beliebtes Naherholungsziel für die Einheimischen. Das Amselfeld, wie der Kosovo im Deutschen früher meist genannt wurde, wird uns durchwegs positiv in Erinnerung bleiben und so geht es am nächsten Tag weiter nach Montenegro.

Fahrt in die berühmte Rugovaschlucht, Kosovo.

Montenegro oder der schwarze Berg, eine mögliche Erklärung?!

Nachdem wir Montenegro 2015 bereits der Küste entlang durchquerten, entscheiden wir uns diesmal für eine Fahrt durch das Landesinnere. Bei Rozaje passieren wir die kosovarisch-montenegrinische Grenze, unser Ziel ist der berühmte Nationalpark Durmitor. Auf dem Weg dorthin halten wir in Andrijevica beim urigen Buschenschank Kraljska Koliba, wo wir uns mit einheimischen Köstlichkeiten stärken. Das ist auch eine gute Idee, denn schon wenig später zeigt sich der Balkan von seiner rauen Seite.

Besuch in der Kraljska Koliba, Andrejica (Montenegro).

Ein mächtiges Gewitter zieht auf, eine richtige Weltuntergangsstimmung macht sich breit. Ich beginne irgendwie zu realisieren, warum Montenegro „Crna Gora“ (also „der schwarze Berg“) genannt wird. Nach einigen wunderschönen, warmen Herbsttagen in Albanien, Mazedonien und dem Kosovo bekommen wir fast das Gefühl, dass hier am Fuße des Durmitor der Winter einziehen möchte. Doch er hat zum Glück Gnade mit uns, wir erreichen unsere Unterkunft in Zabljak ohne Probleme. Aber wir sind heilfroh, dass der Wirt gut eingeheizt hat und wir uns wärmen können. In der Nacht sinken die Temperaturen weiter, am Morgen zeigt das Thermometer nur knapp über Null Grad.

Montenegro: Unwetter ziehen auf in den schwarzen Bergen.

Die Perle der Adria

Eine etwas kühle Fahrt in Richtung Kroatien steht uns am nächsten Tag bevor, doch beim Gedanken an unser Ziel wird uns gleich wieder warm. Nachdem wir die Balkanhalbinsel nun mehrere Tage landeinwärts durchquert haben, ist es an der Zeit uns wieder in Richtung Meer zu bewegen: Dalmatien liegt vor uns.

Dubrovnik hat ihre liebevolle Bezeichnung als Perle der Adria wirklich verdient.

Dubrovnik empfängt uns mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Sie lässt in uns noch einmal richtiges Urlaubsfeeling aufkommen. Obwohl die Perle der Adria, wie die Stadt gerne genannt wird, einer der Haupttouristenmagnete in Kroatien ist und vor allem massiv durch die vielen Tagesgäste der Kreuzfahrtschiffe belagert wird, haben wir Glück. Als wir die berühmte Altstadt erreichen ist es bereits später Nachmittag, wir können gemütlich entlang der alten Steinmauer schlendern und das Flair von Dubrovnik genießen.

Durch Dalmatien

Am nächsten Tag geht es auch schon wieder weiter, wir fahren entlang der atemberaubenden dalmatinischen Küste in Richtung Norden und spüren irgendwie, dass es mehr und mehr nach Hause geht. Aber wir haben zum Glück ja noch ein paar Tage vor uns. Im Badeort Neum, der zu Bosnien-Herzegowina gehört und Dubrovnik vom Rest Kroatiens trennt, machen wir unseren fast schon obligatorischen vormittäglichen Kaffee-Stopp, bevor wir weiterfahren in Richtung Split. Wenige Kilometer vor der bekannten Hafenstadt besuchen wir Ljuba, die wunderschöne Ferienapartments bei Podstrana vermietet. Für zwei Tage dürfen wir ihre Gäste sein und die Köstlichkeiten aus dem hauseigenen Garten genießen. Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit die nur wenige Kilometer entfernte Altstadt von Split zu besuchen, welche auf den Ruinen des römischen Diokletioanpalastes errichtet wurde und so ein ganz besonderes Flair ausstrahlt.

Abstecher in die Altstadt von Split.

Momente vergehen, doch Erinnerungen bleiben

Von Split fahren wir bis nach Crikvenica, wo wir noch einmal nächtigen, bevor es schließlich zurück nach Kärnten geht. Unsere Motorradreise findet ihr Ende, der Sommer auch. Aber zwei abwechslungsreiche Wochen voller Abenteuer und vieler neuer Eindrücke liegen hinter uns. Einzigartige Erinnerungen eingesammelt auf 2848 gefahrenen Motorrad-Kilometern quer durch die beeindruckenden Landschaften der Balkanhalbinsel werden bleiben und uns bereits inspirieren für unsere nächste Reise. Wohin diese führen wird, seid gespannt 🙂

In diesem Sinne alles Liebe,

Petra
aka Yavida

 

 

Information: Werbung, unbeauftragt!

Dieser Text handelt von meinen persönlichen Erlebnissen und Empfehlungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde!