Es geht nicht darum, auf den Sturm zu warten,
sondern darum, im Regen tanzen zu lernen.

(Vivian Greene)

Nachdem mein letzter Blogpost zum Thema „Allein Reisen durch Westkanada“ viele positive Reaktionen hervorrief, habe ich mich entschlossen mehr von dieser Zeit zu erzählen. Es macht wohl am meisten Sinn, das Ganze chronologisch anzugehen, daher werde ich mit meinem Aufenthalt auf der Alpakafarm „Dashwood Meadows“ auf der Insel Vancouver Island beginnen, wo ich insgesamt etwa fünf Wochen verbracht habe.

Warum Vancouver Island?

Schon vor meiner Abreise nach Kanada bin ich mit Pavel und Amanda über eine Internetplattform in Kontakt getreten. So konnte ich bereits einen ersten Eindruck gewinnen, was mich auf deren Farm als „Helper“ erwarten könnte. Helpers bzw. Woofers sind Personen, die für einen bestimmten Zeitraum (meist ein paar Wochen oder auch Monate) bei Gastfamilien oder auf Farms unentgeltlich mithelfen und im Gegenzug dazu Essen und Unterkunft erhalten – für mich damals die ideale Möglichkeit Land und Leute hautnah zu erleben und auch meine Sprachkenntnisse entscheidend zu verbessern. Ich erfuhr außerdem, dass die Farm etwas weg „vom Schuss“ gelegen war – aber genauso einen Platz suchte ich im Grunde. Weiters konnte ich in Erfahrung bringen, dass Vancouver Island als eine der Regionen mit dem mildesten Klima in ganz Kanada gilt. Da ich meine Reise Anfang März startete, schien es der perfekte Ort für mich zu sein.

Totem Poles im Stanley Park von Vancouver

In Vancouver

 

Fähre nach Vancouver Island

Die ersten Tage in Kanada

Nachdem ich in Vancouver schließlich das erste Mal kanadischen Boden betreten hatte, verbrachte ich zunächst noch 2 Tage in der Stadt, um mich am nordamerikanischen Kontinent etwas zu akklimatisieren. Für den dritten Tag war die Weiterreise nach Vancouver Island zur Alpakafarm von Pavel und Amanda geplant. Dazu musste ich mit der Fähre von der Horseshoe Bay/ West Vancouver nach Nanaimo/ Vancouver Island reisen. Die Überfahrt mit BC Ferries dauerte in etwa zwei Stunden. Von der Departure Bay/ Nanaimo ging es dann weiter im Greyhound Bus, einem Verkehrsmittel mit dem noch desöfteren unterwegs sein sollte. Das schien nämlich so ziemlich die einzige Möglichkeit in Nordamerika günstig per Achse von A nach B zu gelangen. In Parksville angekommen wartete Amanda schon auf mich. Wir hatten bereits im Vorfeld Ankunftszeit und -ort vereinbart, da ich ja ohne Handy unterwegs war. Ich erinnere mich noch gut, dass ich sehr müde und froh war, endlich auf der Farm angekommen zu sein. Außer mir waren zu diesem Zeitpunkt noch ein Mädchen aus Deutschland und ein weiteres aus China als „Helper“ auf der Farm.

Das Leben auf der Farm

Am nächsten Morgen wartete ich schon gespannt, um endlich die tierischen Bewohner der Farm kennen zu lernen. Da gab es zunächst zwei Esel (Serafina und Anneke), ein paar Hühner, zwei Maremma-Schäferhunde (Khema und Samo) sowie einen Kater. Aber allen voran waren natürlich die Alpakas. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit diesen Tieren in Berührung kam. Alpakas stammen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden und sind mit Lamas verwandt. Ihre hochwertige Wolle ist auch für Allergiker wunderbar verträglich und hat eine besondere thermische Wirkung. Die Tiere waren grundsätzlich zwar eher etwas scheu, aber wenn man sie eingefangen hatte, konnte man mit ihnen allerhand machen, wie zum Beispiel spazieren gehen. Im Lauf meiner Zeit auf der Farm kamen schließlich auch noch zwei Lamas hinzu.

Eine unserer täglichen Hauptaufgaben stellte die Versorgung der Tiere dar, was bedeutete morgens und abends jeweils Alpakas, Esel und Hühner zu füttern sowie Stall bzw. Weide sauber zu halten. Ansonsten gab es auch einiges im Haushalt sowie im Außenbereich zu erledigen. Wie man sich vorstellen kann, gibt es auf einer Farm immer ausreichend Arbeit.

Und ein Alpaka ist mir besonders ans Herz gewachsen: Miguel! Er war damals noch sehr jung (ich glaube gerade mal ein Jahr alt) und für mich einfach das süßeste, kuscheligste und herzigste Alpaka von allen. Wenn ich an ihn denke, habe ich immer noch seine Stimme im Ohr. Er schmückt übrigens das Titelbild dieses Beitrags.

Regen, Regen, Regen

Aber auch das Wetter während meiner Zeit auf der Farm werde ich wohl nie mehr vergessen können. Wie eingangs erwähnt, entschied ich mich ua. aufgrund des milden Klimas für einen Aufenthalt auf dieser Insel. Nun ja, es war zwar nicht eisig kalt und Schnee gab es auch nur mehr am Mount Washington oder am Mount Arrowsmith, aber ich kann mich nur zu gut erinnern, dass es beinahe jeden Tag entweder den ganzen Tag aber zumindest einmal meist kräftig regnete. Einen so intensiven Niederschlag wie auf Vancouver Island habe ich in meinem Leben bis jetzt noch nirgendwo erlebt.

Beim Stricken meines Alpakaschals

Nicht gerade ideale Voraussetzungen für eine Reise, wie man sich im ersten Moment vielleicht denken mag. Zudem lag die Farm einige Kilometer vom nächsten Ort entfernt und man kam meist nur zum Einkaufen mit der Gastfamilie dorthin. So ist der Gedanke naheliegend, dass einem in der Freizeit vielleicht doch etwas langweilig werden könnte!?! Aber irgendwie war es ganz und gar nicht so. Meine deutsche Kollegin, die zu dieser Zeit mit mir auf der Farm war, konnte mir aufgrund ihrer vielen Abenteuer am nordamerikanischen Kontinent einige interessante Reisetipps geben. Ich hatte außerdem Zeit und Ruhe, um nachzudenken: über mein Leben zu Hause …  über die Zeit in Kanada, die noch vor mir lag … meine Reiseziele und so weiter. Und Not macht bekanntlich erfinderisch: ich begann zu stricken, denn ich war ja quasi von Alpakawolle umgeben und irgendwann hatte ich das ja auch mal in der Schule gelernt. Meine Gastmutter Amanda half mir anfangs etwas und so strickte ich mir einen kuscheligen Schal aus Alpakawolle , der mich die ganze Reise lang bis heim nach Österreich begleiteten sollte. Die Wolle dieses Schals stammt übrigens von meinem Lieblings-Alpaka Miguel. Gerade deshalb hat dieses Stück für mich einen einzigartigen Wert. Ich trage den Schal auch heute noch jeden Winter zum Schifahren (vor allem wenn es besonders kalt ist).

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Cathedral Grove – Spaziergang durch den Regenwald

Zwischendurch gab es auch mal einen freien Tag, an dem wir Helper gemeinsam Ausflüge in die Umgebung unternehmen konnten. So hatten wir ua. die Gelegenheit die Englishman River Falls oder Cathedral Grove zu erkunden. Besonders der Spaziergang entlang der riesigen Douglasien im uralten Regenwald von Cathedral Grove (die Bäume sind teilweise bis zu 800 Jahre alt) war ein beeindruckendes Erlebnis. Nach etwa 5 Wochen endete mein Aufenthalt auf Dashwood Meadows schließlich und meine Reise ging weiter nach Port Alberni zur Biogärtnerei „Eden Tree“. Doch dazu mehr in einem meiner nächsten Blogposts.

Eure Petra

aka Yavida!

 

Information: Werbung, unbeauftragt!

Dieser Text handelt von meinen persönlichen Erlebnissen und Empfehlungen, die eine werbende Wirkung haben könnten, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt oder bezahlt wurde!